VVN/BdA-Niederberg zum Antikriegstag 1.9.2026

1. September 2026

Auch an diesem 1. September begeht die VVN/BdA- Niederberg den Antikriegstag vor dem IG-Metallhaus in Velbert an der Oststraße 48 mit einem Gedenken um 11.45 Uhr.

Rainer Köster wird dann über die von den Nazis verurteilten Gewerkschafter von 1935/36 sprechen und ihre Einstellung zu Krieg und Frieden hervorheben („Wer Hitler wählt, wählt denKrieg!“).
Dabei geht es besonders um Karl Astheimer und Heinrich Kulemann, die nach ihren hohen Zuchthausstrafen von je 7 Jahren in KZ eingeliefert wurden und durch die Nazis ums Leben kamen.
Karl Astheimer starb am 8.8.1942 im KZ Auschwitz, Heinrich Kulemann 1945 in Rumänien, nachdem er im KZ Sachsenhausen in die berüchtigte Brigade Dirlewanger gepresst worden war. Für sie wurden 2014 vor dem Gewerkschaftshaus Stolpersteine verlegt und nach über 10 Jahren willkürlich entfernt.

Die VVN/BdA , die GEW-Kreis Mettmann und viele Einzelpersonen verlangen seither die Rückverlegung vor die Oststr. 48.
Ca. 1.900 verhaftete Arbeitende aus dem Bergischen Land wurden von SA, Gestapo und SS damals in brutalster Weise verhört und auch gefoltert. Dabei starben wenigstens16 Arbeiter, der Tönisheider Betriebsrat Robert Lehmann schnitt sich die Pulsadern auf, überlebte aber.
Die erpressten Geständnisse wurden von den Gerichten in Wuppertal voll gewertet und flossen bewusst in die Urteile ein.
Die sog. Wuppertaler Prozesse (der Velberter Ende 1935 war der erste) erweckten auch international großes Aufsehen. So entstand in Amsterdam ein sog. „Wuppertal-Komitee“ mit über 120 Unterstützern. Diese sammelten Geld für die Verhafteten und ihre Familien, z.B. 1936 12.000 RM in einem halben Jahr. Bei einem Facharbeiter-Stundenlohn von damals 90 Pf. ließ sich damit schon viel Gutes bewirken. Denn auch die Angehörigen der Inhaftierten hatten unter den Nazis zu leiden: So wurde der Ehefrau Heinrich Kulemanns die karge Unterstützung gestrichen, weil ihre Tochter alt genug für die Schule sei, damit sie nun voll arbeiten könnte.
Das Wuppertal-Komitee bestand von Ende 1935 – Sommer 1937 und unterstützte die Wuppertaler Gewerkschafter auch mit Protestnoten, Eingaben, Bittgesuchen und Berichten in der internationalen Presse und auch mit versuchten, aber untersagten Prozessbesuchen im Wuppertaler Landgericht. Dort konnten sie mit französischen Gewerkschaftern ihre Solidarität in Gesprächen mit Angehörigen und Wuppertaler Betriebsarbeitern ausdrücken sowie Geldspenden heimlich überreichen. Mit alldem waren die niederländischen und französischen Unterstützer der Gestapo natürlich ein Dorn im Auge. Nach der Besetzung der Niederlande 1940 starben15 Angehörige des Wuppertal-Komitees- 8 jüdische- in deutschen KZ, weitere überlebten die Nazi- Haft nur mit Glück.
Aber das Amsterdamer Komitee setzte sich auch für andere deutsche politische Verfolgte ein, so z.B. noch im Sommer 1937 für die beiden katholischen Kapläne Dr. Clemens und Roussaint, die wegen ihrer illegalen Widerstandsarbeit im BDKJ in Oberhausen, Düsseldorf und Wuppertal vor dem Volksgerichtshof angeklagt waren. In Wuppertal hatte der BDKJ 1934 gemeinsame Aktionen gegen die Nazis sogar mit dem illegalen KJVD durchgeführt. Zu dem Prozess gegen die Kapläne wurde auch der Velberter Dr. Nikolaus Ehlen geladen. Er entlastete dabei Dr. Roussaint durch seine Aus-sage, was aber an dessen hartem Urteil nichts änderte.
Che Guevara war damals erst 8 Jahre alt, sonst wäre sein weltbekannter Ausspruch wohl da schon entstanden: „Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“. Auch 77 verurteilte Gewerkschafter aus Niederberg werden diese womöglich mit erfahren haben. Vor wenigen Monaten besuchte eine Wuppertaler Delegation um Dr. Stefan Stracke und den NRW-Vorsitzenden der IG Metall Knut Gieseler Amsterdam, um 90 Jahre nach seiner Gründung den Angehörigen, (bzw. ihren Nachkommen) des Wuppertal-Komitees von damals zu danken.
Die VVN/BdA-Niederberg bat darum, diesen Dank auch in ihrem Namen zu übermitteln Das Wuppertal-Komitee ist und bleibt ein ruhmreiches Zeichen internationaler Solidarität – auch in Velbert!(Quelle: Dr. Stefan Stracke:“ Solidaire Hulp – Auf den Spuren des Wuppertal-Komitees“, Bremen/Wuppertal 2026)

Flyer der VVN-BdA Niederberg vom 1.9.2026(PDF)